Institut für Photonik
Die Photonik ist die Wissenschaft und Technologie, die sich mit der Erzeugung, Emission, Übertragung, Modulation, Signalverarbeitung, Schaltung, Verstärkung, Detektion und Erfassung von Licht beschäftigt. Sie umfasst alle Anwendungen des Lichts über das gesamte Spektrum – vom Ultraviolett über den sichtbaren Bereich bis hin zum mittleren und fernen Infrarot.
Seit der Erfindung des Lasers hat sich die Photonik zu einer Schlüsseltechnologie entwickelt, deren Anwendungen von der optischen Kommunikation über die Hochleistungsmaterialbearbeitung bis hin zur Spitzenmedizin und universellen Analytik reichen. Das Institut für Photonik widmet sich der Grundlagenforschung auf international höchstem Niveau und konzentriert seine Arbeit insbesondere auf:
- die Erzeugung von ultrakurzen, hochintensiven Laserpulsen
- die Erzeugung von THz-Pulsen
- die Entwicklung und Anwendung nano-photonischer Bauelemente
Der Fokus des Instituts, das im Jahr 2000 von Arnold Schmidt gegründet wurde, liegt auf der Erzeugung und Nutzung kohärenter elektromagnetischer Strahlung im sichtbaren Spektralbereich sowie in den unmittelbar angrenzenden Bereichen. Durch diese Forschung tragen wir dazu bei, die Grenzen der Photonik kontinuierlich zu erweitern.

Das Photonik Institut ist die Geburtsstätte der „Attosekunden“-Forschung. Attosekunden sind die kürzesten Zeiteinheiten (10-18 Sekunden), die erstmals 2001 von der Gruppe von Professor Krausz in unseren Laserlaboren mit optischen Methoden nachgewiesen wurden. Dafür erhielt Ferenc Krausz im Jahr 2023 den Nobelpreis für Physik.

Forschung
Photonische Höchstleistungsquellen
Am Institut für Photonik wird aktiv an der Entwicklung und Anwendung neuartiger Lasersysteme zur Erzeugung hochintensiver Ultrakurzpulse geforscht. Im Forschungsbereich von Prof. Baltuška umfasst dies die Erzeugung und Verstärkung von Laserpulsen im Nahinfraroten sowie deren effiziente Wellenlängenkonversion durch die Entwicklung von Optisch-Parametrischen Verstärkern (OPA). Frequenzen bis in den XUV-Bereich werden durch kaskadierte Ramanstreuung und die Erzeugung höherer Harmonischer erreicht. Unser Institut hat bei diesem Thema einen großen Durchbruch geleistet, welcher eine außerordentliche Effizienz für die Post-Kompression der Pulsdauer ermöglicht. Weltweit einzigartig ist unser Institut in der Erzeugung von ultrakurzen hochintensiven Laserpulsen im Burstmodus mit einer Wiederholrate der Bursts von bis zu einigen Terahertz. Dabei ist der Pulsabstand innerhalb des Pulszuges vergleichbar mit der ultrakurzen Pulsdauer. Durch Interferenzeffekte der Pulse können so die hohe Spitzenintensität mit spektraler Selektivität kombiniert werden, was bereits einzigartige Experimente im Bereich der experimentellen Grundlagenforschung ermöglicht hat.
Zu den aktuellen Anwendungsgebieten, die in der Arbeitsgruppe von Prof. Andrius Baltuška im Bereich der Höchstleistungsquellen derzeit erforscht werden, zählen unter anderem die Erzeugung von hochintensiven Terahertzpulsen und Filamenten, sowie die zeitaufgelöste Erforschung komplexer Prozesse in Molekülen (z.B. CARS, SRS, REMPI) und Festkörpern (z.B. PES).
Ein weiterer Anwendungsbereich ist die hochintensive Materialbearbeitung. Diese Technologie spielt zunehmend eine wichtige Rolle, etwa bei der Weiterentwicklung von Schweißverfahren, wie sie in der Automobilindustrie vorkommen. In der Industrie wird kaum mehr elektrisch geschweißt, sondern fast ausschließlich mit Lasern. Besonders im Forschungsbereich von Thomas Müller wird diese Technologie weiterentwickelt.

Zweidimensionale Optoelektronik
Graphen und MoS2 sind herausragende Vertreter einer Gruppe von Materialien, die aus zweidimensionalen Kristallen bestehen – also kristallin geordneten Netzen aus einer oder wenigen atomaren Lagen. Diese Materialien haben in den letzten Jahren aufgrund ihrer außergewöhnlichen Eigenschaften große Aufmerksamkeit erregt, insbesondere wegen ihrer bemerkenswerten optischen und elektronischen Eigenschaften. Ihre einzigartige Struktur ermöglicht es, Materialien mit maßgeschneiderten Eigenschaften für spezifische Anwendungen zu entwickeln, was sie zu einem zentralen Forschungsthema in der modernen Materialwissenschaft macht.
Das Institut für Photonik widmet sich der Erforschung dieser Materialien und ihrer Anwendungen in der Optoelektronik. Ein zentraler Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung neuartiger Photodetektoren, die durch ihre schnelle Reaktionszeit die optische Nachrichtentechnik revolutionieren könnten.
Darüber hinaus wird an intelligenten Detektoren, die komplexe mathematische Funktionen direkt auf physikalischer Ebene ausführen können, geforscht – ein Ansatz, der als „In-Sensor Computing“ bekannt ist. Dies eröffnet völlig neue Möglichkeiten für Echtzeit-Datenanalyse, etwa in der Bildverarbeitung oder in autonomen Systemen.
Ein weiterer bedeutender Forschungsbereich ist die Nutzung zweidimensionaler Materialien zur Energiekonversion und als Lichtemitter. Durch die einzigartigen elektronischen und optischen Eigenschaften dieser Materialien lassen sich Photovoltaik-Zellen und Leuchtdioden herstellen, die flexibler und kostengünstiger sind als herkömmliche Technologien.

Terahertz-Photonik
Elektronische Verfahren ermöglichen heute die Erzeugung elektromagnetischer Strahlungsquellen bis in den Bereich von einigen zehn Gigahertz, während optische Quellen kohärente Strahlung vom fernen Ultraviolett bis in den mittleren Infrarotbereich erzeugen können. Zwischen den Spektralbereichen Mikrowellenstrahlung und Mid-Infrarot liegt die sogenannte Terahertz-Lücke. Dieser Spektralbereich bietet aus spektroskopischer Sicht mehr materialspezifische Informationen als jeder andere, war jedoch lange Zeit ohne verfügbare kohärente Strahlungsquellen.
Das Institut für Photonik der TU Wien zählt weltweit zu den führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Terahertz-Strahlung. Die Erzeugung dieser Strahlung erfolgt durch verschiedene Methoden, darunter die Umwandlung ultrakurzer sichtbarer Laserimpulse mittels optischer Gleichrichtung oder direkt mit Halbleiterbauelementen. In modernen Halbleiter-Nanostrukturen sind die Energieniveaus der Elektronen quantisiert und können über die Strukturgröße verändert werden. Wir entwickeln THz Quantum Cascade Laser, welche sich durch breitbandige Emission auszeichnen und daher auch gut geeignet sind um Frequenzkämme zu erzeugen.
Die Nutzung elektromagnetischer Wellen im Frequenzbereich zwischen sichtbarem Licht und Radiowellen bietet den Vorteil einer verbesserten Kontrastgebung. Diese Technologie wird beispielsweise grundsätzlich in Körperscannern an Flughäfen für Sicherheitskontrollen eingesetzt.
Ausgenutzt werden Vibrations- und Rotationsschwingungen von Molekülen (der „chemische Fingerabdruck“). Dies ermöglicht die eindeutige Identifikation eines Moleküls (optical sensing). Die Herausforderung besteht im Moment darin, den passenden Multi-Wavelength-Laser für die zu untersuchende Materialien zu finden.

Lehre
Das Photonik-Institut ist zentral für die Lehre an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik, sowohl im Bachelor- als auch im Masterbereich beteiligt. Im Bachelorstudium leistet es durch die Pflichtvorlesungen „Zeitkontinuierliche Signale und Systeme“ und „Photonik 1“ einen engagierten Beitrag zur Lehre.
Und auch im Masterbereich bietet das Institut wesentliche Pflichtlehrveranstaltungen, etwa bei „Mikroelektronik & Photonik“.
Im Wahlpflichtbereich können Studierende aus einem breiten Spektrum an Lehrveranstaltungen wählen, um sich zu spezialisieren. In Vertiefungen und Seminaren werden die neuesten Entwicklungen in der Photonik vermittelt, während moderne Labore die Studierenden an selbstständiges wissenschaftliches Arbeiten heranführen.
Das Institut versteht sich als tragende Säule im Masterstudiengang „Information and Communication Engineering“ an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik.
Mitwirkende

Karl Unterrainer
Univ.Prof. Mag.rer.nat. Dr.rer.nat.
Vorstand, Bereichsleitung E387-01 Photonik
Karl Unterrainer absolvierte ein Physikstudium an der Universität Innsbruck und promovierte 1989 über stimulierte Ferninfrarot-Emission. Er entwickelte durchstimmbare Zyklotronresonanzlaser. In den Jahren 1994 und 1995 war er am Quantum Institute der University of California Santa Barbara. Dort nutzte er nichtlineare THz-Spektroskopie zur Untersuchung von Nanostrukturen und beobachtete den inversen Bloch-Oszillator-Effekt. Seit 1997 war er außerordentlicher Professor; seit 2004 ist er ordentlicher Professor am Institut für Photonik der TU Wien, welches er aktuell leitet. Zudem war er Vorstand des Zentrums für Mikro- und Nanostrukturen (ZMNS) sowie Dekan der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Wien. Seine wichtigsten Forschungsgebiete sind Nanophotonik, zeitaufgelöste THz-Spektroskopie sowie die Entwicklung von THz-Bauelementen. Zu seinen wissenschaftlichen Entdeckungen gehören u.a. die erste phasenaufgelöste Beobachtung stimulierter Emission sowie Random Lasing in Quantenkaskadenlasern. Er ist Autor oder Koautor von mehr als 400 wissenschaftlichen Publikationen. Zu seinen Auszeichnungen zählen ein Schrödinger-Stipendium sowie der START-Preis des österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF).

Andrius Baltuška
Univ.Prof. PhD
Bereichsleitung E387-02 Photonische Höchstleistungsquellen
Andrius Baltuška ist Professor am Institut für Photonik der Technischen Universität Wien. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Entwicklung von hochintensiven Laser- und parametrischen Lichtimpulsquellen und deren Anwendung in der vom starken optischen Feld kontrollierter Licht—Materie Wechselwirkung. Sein Diplomstudium in Physik schloss er 1993 an der Vilnius Universität in Litauen ab. 2000 promovierte er mit dem Doktorat in chemischer Physik an der Rijksuniversiteit Groningen in den Niederlanden. Vor seiner Berufung an der TU Wien 2006 forschte er als Postdoc an der University of Tokyo, TU Wien und am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching. Er bekam den European Young Investigator Award (EURYI) der European Science Foundation, den Ignaz L. Lieben Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), einen Consolidator Grant des European Research Council (ERC) und den Houskapreis für angewandte Forschung der B&C Privatstiftung in Wien. Seit 2016 ist er korrespondierendes Mitglied der ÖAW. Er veröffentlichte mehr als 150 Fachpublikationen, die über 25.000 zitiert wurden.

Thomas Müller
Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn.
Bereichsleitung E387-03 Zwei-Dimensionale Optoelektronik
Thomas Müller ist Professor am Institut für Photonik der Technischen Universität Wien. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen zweidimensionale Materialien, Nano-Photonik und -Elektronik sowie neuromorphe optische Sensoren. Er promovierte 2004 und habilitierte sich 2017 in Elektrotechnik an der TU Wien. Dazwischen forschte er als Postdoc bei IBM Research in Yorktown Heights (USA) zu Kohlenstoff-basierter Elektronik und Photonik. Mit über 120 Fachpublikationen (davon 23 in Science/Nature-Journalen) und rund 30.000 Zitaten hat er sich als international angesehener Wissenschaftler in seinem Fachgebiet etabliert. In der Lehre verantwortet er im Bachelor die Vorlesung „Zeitkontinuierliche Signale und Systeme“ und im Master unter anderem „Nano-Photonik“ und „Integrierte Photonische Schaltungen“. Für seine Arbeit wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der START-Preis, der Fritz-Kohlrausch-Preis und der Frontiers of Science Award. Zudem ist er Editorial Board Member von NPJ 2D Materials & Applications und engagiert sich in Fachgremien internationaler Konferenzen.

Evgeni Sorokin
Ao.Univ.Prof. Mag.rer.nat. Dr.techn.
Professor
Evgeni Sorokin, geboren 1962 in Moskau, ist a.o. Professor am Institut für Photonik der TU Wien. Er schloss sein Studium an der Lomonossow-Universität ab und erwarb 1994 die Promotion sowie 2005 die Habilitation an der TU Wien. Seine Forschung und Lehre konzentrieren sich auf neuartige Laser-Materialien, laserbasierte Materialbearbeitung, Spektroskopie, Femtosekundenlaser und Frequenzkämme. Er veröffentlichte über 300 Arbeiten, darunter ca. 100 in peer-reviewed Zeitschriften, mit mehr als 4.700 Zitierungen. Für seine bahnbrechenden Entwicklungen von mittel-infraroter Cr:ZnS/Cr:ZnSe-Laser erhielt er 2005 den Snell Premium IEE Award. Er vereint akademische Exzellenz mit technologischer Innovation in Laserphysik und Spektroskopie.

Paolo A. Carpeggiani
Assistant Prof. Phd
Paolo A. Carpeggiani erhielt seinen Masterabschluss in Laser- und Plasmaphysik an der University of Milano-Bicocca. Anschließend promovierte er am Foundation for Research and Technology – Hellas (FORTH-IESL) und an der University of Crete, wo er Attosekunden-XUV-XUV-Pump-Probe-Experimente zur Untersuchung ultraschneller molekularer Dynamik durchführte. Als Postdoktorand an der Politecnico di Milano arbeitete er an Attosekunden-Metrologie mit XUV-NIR-Techniken sowie an nichtlinearen XUV-Wechselwirkungen am FERMI Free Electron Laser. Seit 2016 ist er an der TU Wien tätig und entwickelt hochspitzenleistungsfähige sekundäre Laserquellen für Infrarot- und XUV-Strahlung.