Institut für Sensor- und Aktuatorsysteme


Seit fünf Jahrzehnten steht das Institut für Sensor- und Aktuatorsysteme für wissenschaftliche Exzellenz, technologische Innovationskraft und internationale Sichtbarkeit in der Mikro- und Nanosystemtechnik. Aufbauend auf einer langen Tradition in der Sensorentwicklung und den Materialwissenschaften hat sich das Institut zu einer führenden Forschungseinrichtung auf den Gebieten innovativer NEMS/MEMS (nano-/micro electro-mechanical systems), Materialien, der Technologie sowie der Messtechnik von und mit NEMS/MEMS Bauelementen, als auch deren Modellierung und Simulation entwickelt.

Die Basis der Forschungsaktivitäten bilden modern ausgestattete Reinraum- und MEMS-Messtechniklabore, deren Ursprung bis in die 1970er-Jahre zurückreicht und die kontinuierlich an den neuesten Stand der Technik angepasst wurden. Die dort entwickelten Prozesse und Strukturen, hauptsächlich im Bereich der Siliziummikrotechnik, aber auch robuster NEMS/MEMS Materialien wie Siliziumkarbid sind die Grundlage zahlreicher innovativer Forschungsarbeiten und neuartiger Sensor- und Aktuatorkonzepte.

Heute vereint das Institut zwei international anerkannte Forschungsgruppen: die Forschungsgruppe Mikrosystemtechnik unter der Leitung von Univ.-Prof. Ulrich Schmid sowie die Forschungsgruppe Mikro-und Nanosensorik unter der Leitung von Univ.-Prof. Silvan Schmid.

Die Forschungsgruppe Mikrosystemtechnik beschäftigt sich mit der Technologie, den Materialien, der Herstellung und der Charakterisierung von MEMS-Bauelementen sowie deren Modellierung und Simulation. Im Mittelpunkt der Forschungsaktivitäten stehen piezoelektrische Mikrosysteme zur Realisierung von MEMS-Resonatoren, akustischen Sensoren sowie Aktuatoren wie z.B. kompakte Ultraschall-Emitter. Die Basis dafür sind neuartige, piezoelektrische Materialsyteme und deren Integration in neuartige MEMS Bauelementekonzepte. Im Rahmen dieser Aktivitäten konnte 2022 durch Assoc.-Prof. Schneider ein Christian Doppler-Labor mit dem Titel “Piezoelektrische Silizium-MEMS mit erhöhter Sensitivität und Responsivität” eingeworben werden. Ein zweiter Forschungsschwerpunkt in der Forschungsgruppe Mikrosystemtechnik umfasst die Modellierung und Simulation und auch quantenmechanischen Anwendungen von MEMS-Bauelementen, der von Ass.-Prof. Daniel Platz geleitet wird. Es steht das tiefergehende Verständnis sowie die physikalisch-basierte Beschreibung von bauelement-spezifischen Nichtlinearitäten im Vordergrund, so wie sie z.B. bei der Fluid-Struktur-Wechselwirkung von MEMS-Resonatoren mit ihrer Umgebung als auch bei bistabilen MEMS-Plattenelementen auftreten. Im Bereich der Quantensensorik werden Konzepte sowie deren Umsetzung in on-Chip integrierbare, CMOS-kompatiblen Strukturen bearbeitet, die es ermöglichen, auch „makroskopische“ Komponenten, wie z.B. MEMS-Balken, an das quantenmechanische Rauschlimit zu bringen, um höchste Messsensitivitäten zu erreichen. Als weitere Forschungsrichtung stehen das Hochleistungsmaterial Siliziumkarbid mit seinen herausragenden mechanischen, thermischen und chemischen Eigenschaften für robuste MEMS/NEMS Bauelemente im Vordergrund. Neben diesem Anwendungsgebiet liegt der wissenschaftliche Fokus auf dem photoelektrochemischen Porösizieren von einkristallinem Siliziumkarbid, um die dominierenden Mechanismen zu erforschen und dieses Wissen für neuartige MEMS/NEMS Bauelemente sowie für leistungselektronische Anwendungen nutzbar zu machen. 2023 konnte Ass.-Prof. Georg Pfusterschmied im Rahmen dieser Forschung ein CD-Labor mit dem Titel „Nachhaltige Siliziumkarbidtechnologie“ lukrieren.

Die Forschungsgruppe für Mikro- und Nanosensorik widmet sich der Entwicklung und dem Einsatz nanomechanischer Resonatoren als ultrasensitive Sensoren. Im Zentrum stehen Siliziumnitrid-basierte Strukturen, die zwei für die Sensorik herausragende Eigenschaften vereinen: Durch dissipationsverdünnte Bauweise erreichen sie mechanische Gütefaktoren weit jenseits von 10⁶ und zählen damit zu den kohärentesten mechanischen Oszillatoren überhaupt; gleichzeitig ermöglichen ihre hohen Aspektverhältnisse eine außergewöhnlich schwache thermische Ankopplung an die Umgebung. Die hohen Gütefaktoren bilden die Grundlage der optomechanischen Forschungsarbeiten der Gruppe, in der mittels optischer Interferometrie Verschiebungsmessungen bis an das quantenmechanische Rauschlimit herangeführt werden. Darauf aufbauend werden Konzepte für höchstauflösende Kraft- und Impulsmessungen entwickelt. Die hohen Aspektverhältnisse wiederum sind die entscheidenden Voraussetzungen für die nanomechanische photothermische Spektroskopie, bei der durch Lichtabsorption induzierte Frequenzverschiebungen des Resonators die Absorptionsspektren von Probenmengen im Einzelpartikel- bis zum Pikogramm-Bereich zugänglich machen. Aus dieser Technologie ging das TU Wien Spin-off Invisible-Light Labs GmbH hervor, das mit dem Instrument EMILIETM die weltweit erste kommerzielle NEMS-FTIR-Plattform anbietet und Anwendungen von der Nanoplastik-Analytik bis zur Charakterisierung atmosphärischer Aerosole erschließt. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt, geleitet von Dr. Pius Theiler, befasst sich mit der chiralitätsinduzierten Spinselektivität (CISS) und deren Nutzung in neuartigen Spintronik- und Sensorkonzepten. Methodisch wird die Gruppe durch die Entwicklung dedizierter Auslese- und Regelelektronik sowie die Modellierung von Verlustmechanismen, Rauschen und Wärmetransport ergänzt. Die Arbeiten verbinden konsequent Grundlagenforschung mit anwendungsorientierter Entwicklung in den Bereichen Umweltmonitoring, Aerosolanalytik, Massenspektrometrie, Infrarotsensorik, und Spintronik.

Mitwirkende

Univ.Prof. Dipl.-Phys. Dr.rer.nat. Ulrich Schmid

Ulrich Schmid started studies in physics and mathematics at Kassel University in 1992. He performed his diploma work at the Daimler-Benz AG on the electrical characterization of 6H-SiC microelectronic devices. He finished his studies in 1998 at the University of Frankfurt/Main. In 1999, he joined the research laboratories of DaimlerChrysler AG in Ottobrunn/Munich. He received his Ph.D. degree (“summa cum laude”) in 2003 from TU München. From 2003 to 2008, he was with the Chair of Micromechanics, Microfluidics/Microactuators at Saarland University. Since 2008, he is full professor for Microsystems Technology at TU Wien, serving since 2012 as director at the Institute of Sensor and Actuator Systems. His research interest ranges from MEMS devices and their functional materials via modelling and simulation of MEMS to the technology of SiC power electronic devices. He holds more than 55 patents and has authored or co-authored more than 550 peer-reviewed publications in journals and conferences.

Univ.Prof. Dr.sc. Silvan Schmid

Silvan Schmid, born 1977 in Lucerne, Switzerland, studied mechanical engineering at ETH Zurich and received his doctorate there in 2009, graduating with distinction and receiving the ETH Medal. After postdoctoral and faculty positions at the Technical University of Denmark (2009–2016), he joined TU Wien in 2016 as Professor and Head of the Micro and Nanosensors Research Unit at the Institute of Sensor and Actuator Systems. Since 2021, he has also served as Dean of Academic Affairs. His research centres on nanomechanical systems for ultrasensitive detection – from single-molecule photothermal spectroscopy to nanoplastic analysis and quantum-relevant optomechanics. He has secured major grants, including an ERC Starting Grant and funding from DARPA, the Novo Nordisk Foundation, and the FWF, and co-founded Invisible-Light Labs GmbH. Key contributions include elucidating dissipation in high-Q resonators and pioneering nanomechanical infrared spectroscopy.

Associate Prof. Dipl.-Phys. Dr.techn. Michael Schneider

Schneider studied physics at the Karlsruhe Institute of Technology 2003‑2009. He finished his studies in 2009 and started his PhD thesis on the optimization of ultra-thin aluminum nitride films for actuation and sensing applications in micro-electromechanical systems at the Institute of Sensor and Actuator Systems (ISAS) at TU Wien. He received his PhD in 2014 and habilitated on the topic of piezoelectric silicon microsystems in 2021. Since 2022, he is head of the Christian Doppler Laboratory for piezoelectric silicon MEMS with enhanced sensitivity and responsivity. Since 2023, he is Associate Professor at ISAS, where he focuses on material related aspects in piezoelectric materials and on advanced piezoelectric MEMS devices.

Univ.Ass. Dipl.-Ing. Dr.techn. Georg Pfusterschmied

Georg Pfusterschmied studied Materials Science at TU Wien, specializing in functional materials and micro-/nanotechnology. He conducted part of his master’s research at University of Toronto on microfabricated piezoelectric thin-film devices. He earned his doctorate at TU Wien, including a research stay at University of Melbourne in the group of John Sader, focusing on microfluidic interaction models for liquid sensing. His PhD was awarded the Ernst Fehrer Prize. He continued at TU Wien’s Institute of Sensor and Actuator Systems, acquiring and leading projects funded by the EU, FFG, CDG, and industry. Since 2023, he has been Scientific Director of the Christian Doppler Laboratory for Sustainable Silicon Carbide Technology, and since 2025 he holds a tenure-track position in TU Wien’s Excellence Program. His research focuses on thin-film technologies, micro- and nanostructuring, and silicon carbide for MEMS and power electronics, with an emphasis on translating materials science into applications. 

Univ.Ass. Daniel Platz, MSc PhD

Daniel Platz studierte Physik an der Philipps-Universität Marburg und am Royal Institute of Technology (KTH) in Stockholm. Während dieser Zeit gewann er Einblicke in das industrielle Umfeld durch Tätigkeit bei Siemens Medical Solutions. 2013 wurde er an der KTH mit einer Dissertation über inverse Probleme und nichtlineare Dynamik in der dynamischen Rasterkraftmikroskopie promoviert. Nach einer anschließenden weiteren Tätigkeit an der KTH wechselte er 2014 an das Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden, wo er bis 2016 als Postdoktorand zu biologischen Oszillatoren und Synchronisationsphänomenen in elektronischen Systemen forschte. Seit Dezember 2016 wirkt er am Institut für Sensor- und Aktuatorsysteme (ISAS) der TU Wien, zunächst als Postdoktorand und seit Oktober 2024 als Assistenzprofessor. Dort etablierte er Forschungsaktivitäten in der Modellierung und Simulation mikromechanischer Systeme sowie in der Quantensensorik.