Institut für Computertechnik
Forschung, Lehre und Innovation an der Schnittstelle von Informatik und Elektrotechnik
Das Institut für Computertechnik (kurz ICT) wurde im Jahr 1973 als Institut für Datenverarbeitung gegründet, damals noch als Teil der Fakultät der Fakultät für Maschinenbau. Die inhaltlichen Wurzeln des Instituts reichen noch weiter in die Vergangenheit und gehen auf Heinz Zemanek zurück, Österreichs Computerpionier, der sich bereits als Assistent am damaligen Institut für Niederfrequenztechnik mit Themen beschäftigte, die auch heute noch modern anmuten: Rechnerarchitekturen, lernende Systeme, Informationstheorie, Zeichenerkennung, Mensch-Maschine-Schnittstellen.
Bereits in den frühen Jahren stand die Auseinandersetzung mit modernen Computersystemen und deren praktischer Anwendung im Mittelpunkt. Heute, fünf Jahrzehnte später, ist das ICT ein international vernetztes Forschungsinstitut, das zentrale Zukunftsthemen der digitalen Transformation bearbeitet – von Embedded Systems und künstlicher Intelligenz über autonome Robotik bis hin zu Smart Grids und sicherheitskritischen Systemen.
Forschungsschwerpunkte: Technologien für die digitale Zukunft
Die Forschungsaktivitäten des Instituts konzentrieren sich heute auf drei zentrale Bereiche: „Systems on Chip“, „Software-Intensive Systeme“ sowie „Autonome Systeme“. Gemeinsam bilden sie die Grundlage für zahlreiche nationale und internationale Forschungsprojekte sowie intensive Kooperationen mit Industriepartner_innen. Damit positioniert sich das Institut an der Schnittstelle zwischen Informatik und Elektrotechnik.
Systems on Chip und Embedded Machine Learning
Ein wesentlicher Schwerpunkt des Instituts liegt im Bereich „Systems on Chip“ (SoC). Dabei geht es um die Entwicklung hochintegrierter elektronischer Systeme, bei denen Milliarden von Transistoren auf kleinstem Raum zusammenwirken. Der Entwurf solcher Systeme zählt zu den komplexesten technischen Herausforderungen unserer Zeit. Moderne SoCs bilden die Grundlage zahlreicher Anwendungen – von Smartphones über Industrieanlagen bis hin zu autonomen Fahrzeugen und intelligenten Sensorsystemen.
Die Forschung am ICT umfasst sowohl digitale als auch analoge Schaltungen, eingebettete Software und effiziente Hardwarearchitekturen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf energieeffizienten und ressourcenschonenden Lösungen. Embedded Machine Learning und die Integration neuronaler Netze in eingebettete Systeme spielen dabei eine zunehmend wichtige Rolle. Ziel ist es, intelligente Systeme zu entwickeln, die leistungsfähig sind und gleichzeitig nur minimale Energie verbrauchen.
Software-Intensive Systems und Systems Engineering
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt am ICT liegt im Bereich verteilter, softwareintensiver Systeme. Moderne technische Systeme bestehen aus hochkomplexen Netzwerken aus Hardware-, Software- und Kommunikationskomponenten. Solche vernetzten Systeme finden sich in der Automobilelektronik, in der Automatisierungstechnik, dem Internet der Dinge, aber auch im IT-Bereich von Smart Grids. Sie sind oftmals nur lose gekoppelt, aber trotzdem kollaborativ, und erfordern daher innovative Ansätze, um effiziente und notwendige Entscheidungsfindung und Optimierung zu ermöglichen. Andere Forschungsthemen betreffen die Sicherheit und den Schutz von kritischen Automatisierungssystemen.
Die Energy&IT Group als Teil des Forschungsbereichs beschäftigt sich seit mehr als zwanzig Jahren mit intelligenten Energiesystemen. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Energiegemeinschaften, automatisierte Messsysteme, datenbasierte Optimierung und Smart-Grid-Architekturen. Die zunehmende Integration erneuerbarer Energien stellt neue Anforderungen an Stromnetze und deren Steuerung. Intelligente, datengetriebene Systeme sind dabei entscheidend, um Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz miteinander zu verbinden.
Autonome Systeme und Robotik
Das Autonomous Systems Lab widmet sich der Erforschung von autonomen Robotersystemen, die durch kognitives Lernen und menschliche Bewegungsmuster inspiriert sind. Der Fokus liegt auf zwei zentralen Bereichen: der Entwicklung autonomer Lernfähigkeiten durch Alltagsbeobachtungen und der kognitiven Steuerung von Robotern.
Ziel ist es, intuitive Roboter zu entwickeln, die den Erwartungen menschlicher Nutzer gerecht werden. Dazu wird menschliches Verhalten analysiert und die gewonnenen Erkenntnisse auf robotische Systeme übertragen. Diese Fähigkeit ermöglicht es Robotern, neue Kompetenzen durch Nachahmung zu erlernen – ohne dass sie explizit programmiert werden müssen. Komplexe Aufgaben können so schrittweise in einem allgemeinen Rahmen erlernt werden. Durch die Kombination von Beobachtungslernen, motorischer Robotik und selbstständigem Experimentieren entwickeln Systeme die Fähigkeit, auch unter unsicheren Bedingungen robust zu handeln.
Forschung mit Praxisbezug
Die Forschung am ICT zeichnet sich seit jeher durch ihre starke Praxisorientierung und die enge Zusammenarbeit mit Industriepartner_innen aus. Zahlreiche Projekte werden durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), europäische Förderprogramme oder direkte Industrieaufträge finanziert.
Die Kooperation mit Unternehmen wie Siemens, Infineon, Frequentis, AVL oder Mission Embedded ermöglicht es, aktuelle Herausforderungen der Industrie unmittelbar in Forschung und Lehre einzubinden. Gleichzeitig profitieren Studierende und Mitarbeitende vom direkten Kontakt zu innovativen Unternehmen und realen Entwicklungsprojekten.
Lehre
Seit seiner Gründung zeichnet das Institut eine Liebe zur Lehre aus, die zur Entwicklung zahlreicher zumeist computerunterstützter Lehrmodelle zu Mikroprozessorarchitekturen und Embedded Systems führte. Seit über 15 Jahren wird auch E-Learning eingesetzt, in Form von selbstentwickelten, Internet- bzw. Web-basierten Systemen zur Durchführung von Übungen. Diese Erfahrung half während der Pandemie, sogar eine Laborübung für 150 Studierende im laufenden Betrieb Lockdown-tauglich zu machen: durch die rasche Entwicklung einer kompakte Hardware-Plattform, die von den Studierenden im Wochentakt ausgeliehen werden konnte.
Inhaltlich ist das Institut stark in der Lehre im Bachelorstudium Elektrotechnik vertreten und betreut dort die Themenfelder digitale Systeme und Mikrocomputer. Aber auch in den Masterstudien Embedded (Computing) Systems sowie Automatisierung und robotische Systeme ist das Institut stark mit Pflicht- und Wahlfächern engagiert. Forschungsgeleitete Praktika und Seminare runden das Angebot ab.
Mitwirkende

Thilo Sauter
a.o. Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.
Institutsvorstand, Leiter Forschungsbereich Software-intensive Systeme
Thilo Sauter studierte Elektrotechnik an der TU Wien und erwarb 1999 das Doktorat sub auspiciis praesidentis. Von 1992 bis 1996 war er Vertragsassistent am Institut für Allgemeine Elektrotechnik und Elektronik und beschäftigte sich mit dem Entwurf programmierbarer und analoger integrierter Schaltungen. 1996 wechselte er an das Institut für Computertechnik und baute eine Gruppe auf dem Gebiet der industriellen Kommunikationstechnik auf. Von 2004 bis 2013 war er Gründungsdirektor des Instituts für Integrierte Sensorsysteme der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Nach Gastprofessuren in Südafrika, China, Italien und Spanien habilitierte er sich 2014 an der TU Wien für das Fach Automatisierungstechnik. Seine Forschungsinteressen umfassen smarte Sensoren und Netzwerke in der Automation mit Fokus auf Echtzeit-, Sicherheits- und Integrationsaspekten in Anwendungsfeldern wie Industrie- und Gebäudeautomation oder Smart Grids. 2014 wurde er zum IEEE Fellow ernannt, und 2016 erhielt er den Wissenschaftspreis des Landes Niederösterreich.

Axel Jantsch
Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.
Leiter Forschungsbereich Systems on Chip
Axel Jantsch promovierte 1992 an der TU Wien in Informatik. 1992. Mit einem Erwin Schrödinger Postdoc-Stipendium war er an der KTH in Stockholm und arbeitete mehrere Jahre als Verifikationsingenieur bei Siemens Österreich. Von 1997 bis 2014 war er am Royal Institute of Technology, KTH, in Stockholm tätig, wo er von 2002 bis 2014 als ordentlicher Professor für Electronic Systems Design wirkte. Seit 2014 ist er Professor für Systems-on-Chips an der TU Wien. Er war als Gastprofessor an der Fudan-Universität in Shanghai, an der Chinese Academy of Sciences in Shenzhen, an der UESTC in Chengdu und an der PUCSR-Universität in Porto Alegre, Brasilien. Axel Jantsch hat zahlreiche Best-Paper-Awards erhalten, ist Träger des Nokia Foundation National Award 2004 und ist IEEE Fellow. Er hat über 100 eingeladene Vorträge auf internationalen Veranstaltungen zu Themen gehalten, die von Networks-on-Chip bis zu Embedded Systems Design reichen. Seit 2018 leitet er eine international anerkannte Forschungsgruppe für Embedded Machine Learning an der TU Wien.

Dongheui Lee
Univ.Prof.in, PhD
Dongheui Lee promovierte 2007 an der Abteilung für Mechano-Informatik an der Universität Tokio, Japan. Von 2007 bis 2009 war sie Projektassistenzprofessorin an der Universität Tokio. 2009 wechselte sie an die Technische Universität München und war bis 2022 Assistenzprofessorin und in weiterer Folge Associate Professor an der Fakultät für Elektrotechnik und Technische Informatik. Sie wurde 2011 mit einem Carl-von-Linde-Stipendium am Institute for Advanced Study, TUM, und 2015 mit einem Helmholtz-Professurenpreis ausgezeichnet. 2017 übernahm sie die Leitung einer Forschungsgruppe für menschenzentrierte assistive Robotik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Seit 2022 ist sie Professorin für Autonomous Systems am Institut für Computertechnik der TU Wien. Dongheui Lee ist Editor-in-Chief der IEE/RAS Humanoids Conference und war Senior Editor und Gründungsmitglied der IEEE Robotics and Automation Letters (RA-L), Associate Editor für die IEEE Transactions on Robotics und gewähltes IEEE RAS AdCom Mitglied. Ihre Forschungsinteressen umfassen menschliches Bewegungsverständnis, Mensch-Roboter-Interaktion, maschinelles Lernen in der Robotik und assistive Robotik.
Erwähnenswertes
Einer der Institutsmitarbeiter der ersten Stunde, Dipl.-Ing. Dr. h.c. Hannes Bardach, übernahm die Firma Frequentis und baute sie zum Weltmarktführer auf dem Gebiet von Systemen für die Flugsicherungstechnik aus.
2019 wurde am Institut das Christian Doppler Labor für Embedded Machine Learning gemeinsam mit den Partnern Siemens, AVL, Mission Embedded und TU Graz etabliert. Mittlerweile hat es sich zu einer erfolgreichen und international angesehenen Forschungsgruppe im Bereich Deep Machine Learning in ressourcen-beschränkten Systemen entwickelt, mit einer Reihe von aktiven Forschungsprojekten und einer stetig wachsenden Zahl von Industriepartnern.
2024 wurde das TUW-DLR Joint Laboratory on Human Centered Robotics gegründet. Das Gemeinschaftslabor ist ein virtuelles Kompetenzzentrum zwischen der TU Wien (den Instituten ICT und ACIN) und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Seine Aufgabe besteht darin, international führende Forschung im Bereich der Human Centered Robotics zu betreiben, mit besonderem Schwerpunkt auf Echtzeitsteuerung und maschinellem Lernen in der Mensch-Roboter-Interaktion.
Vor über 20 Jahren koordinierte das Institut eines der ersten europäischen Forschungsprojekte auf dem Gebiet der Smart Grids, das den Grundstein einer bis heute erfolgreichen Forschungsgruppe legte.
Das Engagement des Instituts in der Lehre spiegelt sich auch in der studentischen Bewertung wider: Seit der allerersten Verleihung der Best Teaching Awards im Jahr 2017 wurde die begehrte Trophäe insgesamt 14 Mal an Lehrpersonen bzw. Lehrveranstaltungen verliehen.