Institut für Mechatronik und Leistungselektronik

Das Institut für Mechatronik und Leistungselektronik (MPEI) wurde im September 2025 gegründet, durch die Zusammenführung der Forschungsbereiche Mechatronic Systems (Prof. Schitter, vormals Teil des Instituts für Automatisierungs- und Regelungstechnik, ACIN) und Power Electronics (Prof. Drofenik, vormals Teil des Instituts für Energiesysteme und Elektrische Antriebe). Mit Beginn 2026 wurde das Institut durch eine dritte Professur im Bereich Elektrische Antriebssysteme (Prof. Miric) verstärkt.

Forschung

Das Institut für Mechatronics and Power Electronics betreibt anwendungsorientierte Grundlagenforschung an auf den Gebieten der Mechatronik, der Leistungselektronik, der elektrischen Antriebssysteme, sowie der wissenschaftlichen Instrumentierung, Opto-Elektronik und Messtechnischen Systeme.

Die Vision unserer Forschung ist es, Entwurfsmethoden für Pareto-optimale Systeme in den Anwendungsbereichen Energiewandlung, Messtechnik und Mechatronik zu entwickeln, um in der jeweiligen Umsetzung die maximale Leistungsfähigkeit der zur Verfügung stehenden Technologie zu erreichen. Ein zentrales Element in den jeweiligen Anwendungen ist hierbei die Zusammenarbeit mit Industriepartnern, um an für die Industrie und Gesellschaft relevanten Problemstellungen zu forschen.

Mechatronische Systeme

Der Forschungsbereich Mechatronische Systeme betreibt zukunftsorientierte Forschung auf Gebieten der Präzisionstechnologie, Mechatronik, der wissenschaftlichen Instrumentierung, der In-Prozess-Messtechnik, sowie von High-Tech-Systemen in der additiven Fertigung und in der Halbleiterproduktion. Steigende Anforderungen aufgrund zunehmender Präzision und Zuverlässigkeit sowie wachsendem Durchsatz verlangen nach einem intelligenten, sowohl Hardware als auch Software umfassenden, Gesamtansatz. Die systematische Lösung dieser Herausforderungen, erfordert grundlegende Forschung zur optimalen Integration von Hardwaredesign und Regelungsentwurf. 

Im Anwendungsbereich mechatronischer Systeme fokussiert die Forschung auf die Entwicklung eines integrierten Systemansatzes zum Entwurf hochpräziser und leistungsfähiger Systeme für die Produktion und In-Prozess-Messtechnik in der Hochtechnologie, sowie für die wissenschaftliche Instrumentierung. Bereits in der ersten Phase des Systemdesigns müssen alle für die Anwendung relevanten physikalischen Wechselwirkungen und Komponenten konsequent berücksichtigt werden. Beispiele dieser zu entwickelnden Komponenten sind die mechanische Struktur, Leistungsverstärker, Aktoren, Sensoren, Signalkonditionierung, das Datenakquisitions- und Regelungssystem, Systemsoftware, und die Spezifikationen und Anforderungen der eigentlichen Anwendung. Durch diese systematische Integration können letztendlich mechatronische Systeme mit höchster Präzision und sehr hohen Bandbreiten, wie beispielsweise in Laser-basierter Satellitenkommunikation erforderlich, realisiert werden.

Leistungselektronik

Der Forschungsbereich Leistungselektronik beschäftigt sich mit der Entwicklung innovativer Konzepte für effiziente, leistungsdichte und intelligente elektrische Energiewandlung. Ein besonderer Fokus liegt auf der Integration von Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) in den Entwurfs- und Regelungsprozess, um neue Optimierungsansätze zu erschließen und Entwicklungszyklen zu verkürzen.

Im Bereich der KI-gestützten Leistungselektronik werden insbesondere Reinforcement-Learning-Algorithmen untersucht, die mit Schaltungssimulatoren gekoppelt sind. Diese ermöglichen die automatisierte Synthese und Optimierung von Reglerstrukturen für komplexe Systeme. Erste experimentelle Demonstratoren zeigen das Potenzial dieser Methoden für hochperformante Regelungskonzepte. Darauf aufbauend werden KI-basierte Regelungsverfahren für Mittelspannungsantriebe entwickelt, mit dem Ziel, Effizienz, Dynamik und Robustheit weiter zu steigern.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Mittelspannungsleistungselektronik, insbesondere auf neuen Topologien wie Solid-State-Transformatoren (SST) sowie auf magnetischen Komponenten wie Mittelfrequenztransformatoren (MFT). Ziel ist die Realisierung kompakter und effizienter Systeme im Megawattbereich für Anwendungen in nachhaltigen Energiesystemen, industriellen und Traktionsantrieben sowie der Energieverteilung.

Elektrische Antriebssysteme

Der Forschungsbereich Elektrische Antriebssysteme beschäftigt sich mit der Entwicklung moderner, hochintegrierter Antriebslösungen. Im Mittelpunkt steht die ganzheitliche Betrachtung des Systems aus elektrischer Maschine, Leistungselektronik und Regelung, mit dem Ziel, Effizienz, Leistungsdichte und Funktionalität zu maximieren. Anwendungen in Robotik, Automatisierung, Medizintechnik und Halbleiterfertigung erfordern dabei neuartige Systemkonzepte.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Entwicklung neuer Antriebstopologien, insbesondere Stromquellenumrichter (Current Source Inverter, CSI) in Kombination mit modernen Halbleitern wie SiC und GaN. Ergänzend werden Modulations- und Regelungsverfahren untersucht, um das Zusammenspiel von Maschine und Umrichter zu optimieren und Verluste sowie Systemkomplexität zu reduzieren.

Darüber hinaus umfasst die Forschung netzgespeiste Antriebssysteme sowie drahtlose Energieübertragung für bewegte Anwendungen, um kabelgebundene Lösungen zu ersetzen. Ziel ist die Realisierung robuster und hochperformanter Antriebssysteme für zukünftige industrielle Anwendungen.

Lehre

Die enge Verbindung von Forschung und Lehre am MPEI bietet Studierenden einen direkten Bezug zu aktuellen Themen – insbesondere im Zuge von Vertiefungsprojekten und Abschlussarbeiten. Durch die Einbindung moderner Anwendungen in die Lehrveranstaltungen wird nicht nur die Motivation gesteigert, sondern auch die Relevanz der Ausbildung für den Arbeitsmarkt sichergestellt.Forschungsthemen entstehen in Kooperation mit Unternehmen, was die Praxisnähe erhöht und Absolvent_innen attraktiv für den Arbeitsmarkt macht.

Das Lehrangebot umfasst Grundlagenveranstaltungen sowie Vertiefungsvorlesungen. Aktuell relevante Beispiele für die forschungsgeleiteten Lehre ist die Lehrveranstaltung „Leistungselektronik-2“, die sich mit Multi-Zellen-Umrichtern und EMV-Herausforderungen in Anwendungsbereichen wie E-Mobilität oder PV-Solaranlagen beschäftigt, oder der Entwurf und die Regelung von Positioniersystemen für die Halbleiterproduktion in Lithographiesystemen, welche in „Mechatronische Systeme“ detailliert behandelt werden.

Durch die Kombination von Forschung, Lehre und Industriekooperationen entsteht ein Lernumfeld, das Theorie und Praxis in relevanten Beispielen zusammenführt und so Absolvent_innen zu gefragten Fachkräften macht.

Mitwirkende

Georg Schitter
Univ-Prof. Dipl.-Ing. Dr.sc.techn. Dipl.NDS ETHZ
Institutsvorstand MPEI, Fachbereichsleiter Mechatronische Systeme, Fakultätsratsvorsitzener ETIT

Georg Schitter schloss sein Studium der Elektrotechnik an der TU Graz ab und promovierte 2004 an der ETH Zürich. Nach Stationen als Postdoc an der UCSB (USA) und als Professor an der TU Delft (Niederlande) fokussiert er sich heute auf hochperformante mechatronische Systeme und Systemintegration.

Seine Forschung umfasst Präzisionstechnik für die Hochtechnologie, wissenschaftliche Instrumentierung sowie bildgebende mechatronische Systeme wie Rasterkraftmikroskope, LiDAR, AR-HUD, Teleskopsysteme und adaptive Optik. Weitere Schwerpunkte liegen in der robotergestützten Messtechnik, additiven Fertigung und Lithographie für die Halbleiterindustrie.

Schitter wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem IEEE Joseph F. Keithley Award (2026) sowie mehreren „Best Paper“-Awards. Er ist Autor von 350 begutachteten Journalartikeln und Konferenzbeiträgen, eines Textbuchs und hält 45 Patente.

Uwe Drofenik
Univ. Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn.
Fachbereichsleiter Leistungselektronik MPEI

Uwe Drofenik studierte Elektrotechnik an der TU Wien, wo er 1999 promovierte. Nach einem Forschungsaufenthalt an der Universität Tokio wechselte er an die ETH Zürich, wo er am Power Electronics Systems Laboratory tätig war und Simulationssoftware entwickelte. Anschließend arbeitete er 15 Jahre in der Industrie bei ABB Schweiz als Senior Principal Scientist im Bereich Mittelspannungsleistungselektronik. Seine Arbeiten umfassten u.a. Solid-State-Transformatoren und Mittelfrequenztransformatoren, zudem verfasste er über 50 Patente. Seit 2024 leitet Uwe Drofenik den Bereich Leistungselektronik an der TU Wien. Seine aktuelle Forschung konzentriert sich auf KI-Methoden, insbesondere Reinforcement Learning, zur Optimierung leistungselektronischer Systeme sowie auf innovative Konzepte der Mittelspannungsleistungselektronik

Spasoje Mirić
Univ.Prof. DDr.sc.techn.
Lehrstuhl für Elektrische Antriebssysteme

Spasoje Mirić erhielt Bachelor-, Master- und Doktorgrad in Elektrotechnik an der University of Belgrade (2012–2018) mit Schwerpunkt Leistungselektronik und Antriebssysteme. 2021 schloss er eine zweite Doktorarbeit an der ETH Zürich ab und entwickelte patentierte linear-rotatorische Aktuatorsysteme mit Magnetlagern. Anschließend war er Postdoktorand an der ETH Zürich mit Fokus auf WBG-Leistungswandler (SiC, GaN), Modulation und drahtlose Energieübertragung. 2023 wurde er Assistenzprofessor an der Universität Innsbruck, seit 2026 ist er Universitätsprofessor an der TU Wien. Er ist Autor von über 50 Publikationen, (Mit-)Erfinder von mehr als zehn Patenten und mehrfach ausgezeichnet.

Ernst Csencsics
Assoc. Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. MBA
Vizestudiendekan ETIT

Ernst Csencsics schloss sein Studium der Elektrotechnik an der TU Wien 2014 mit einem Master in Automatisierungstechnik ab. 2018 promovierte er sub auspiciis praesidentis mit einer Dissertation über Fast Steering Mirror Systeme. Nach einem MBA in General Management 2021, habilitierte er sich im Jahr 2023 an der TU Wien im Fachgebiet Messsysteme und ist seitdem Associate Professor. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen opto-mechatronischer Mess- und Bildgebungssysteme, Entwurfsmethoden für schnelle Scanner, hochpräziser robotischer Messsystemen, Inline-Messtechnik, sowie wissenschaftliche Instrumentierung. Er ist Autor von über 100 Journalartikeln und Konferenzbeiträgen, 7 Patenten und wurde mit mehreren Best Paper Awards und Forschungspreisen, wie dem Dr.-Ernst-Fehrer-Preis der TU Wien (2019) ausgezeichnet.

Michael Hofbauer
Ass. Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn.

Michael Hofbauer schloss 2011 sein Masterstudium in Mikroelektronik an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik an der TU Wien ab. Im Forschungsgebiet der Strahlungseffekte in integrierten Schaltungen promovierte er 2017 sub auspiciis praesidentis an der TU Wien. Seit 2026 ist er Assistant Professor am Institut für Mechatronik und Leistungselektronik und hält dort eine Laufbahnstelle für Optische Sensorsysteme. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Optoelektronik, elektronische und photonische Integration, optische Abstands- und Windmessung, Quantenanwendungen und medizinische Anwendungen, sowie Strahlungseffekte in elektronischen Bauelementen. Er ist Autor und Co-Autor von mehr als 80 Konferenz- und Zeitschriftenbeiträgen sowie des IOP-Buches “Single-Photon Detection for Data Communication and Quantum Systems“ und wurde mit mehreren „Best Paper“-Awards ausgezeichnet.

Erwähnenswertes
Leistungselektronik-Prüfaufbau zur Charakterisierung von 1200-V-SiC-Leistungshalbleiter-bauelementen
Robotisches Teleskopsystem mit Machine Vision und vollautomatischer Nachführung der Teleskoppositionierung für Drohnenerkennung und Drohnenabwehr von Kleindrohnen (ca. 30 cm) bis zu einem Beobachtungsabstand von 4 km